1901 - 2021

Altes Logo von Honorat Raßhofer

1901 eröffnet Honorat Raßhofer im Westteil des Kobingerhauses ein Geschäft, das nebst Kolonialwaren und Futtermitteln auch Zigaretten, Tabak, Wein und Likör führt. Seine Frau Sophie ist zur damaligen Zeit die einzige Konditormeisterin in Lenggries und betreibt ein Standl mit Konditoreiwaren und Schmalznudeln.
1910 wird gegenüber dem Geschäft in der Flößergasse das Lagerhaus errichtet. Heute befinden sich dort bei besten Bedingungen auf zwei Etagen unsere Weine.

15. August 1926 - Gesellige Runde im Garten der Weinstube und Café Raßhofer.

25. September 1926 - Das Geschäftshaus

Inserat aus »Lenggries im bayrischen Hochlande und seine nächste Umgebung«. Verlag und Druck Josef Eibel, Lenggries 1928.

Aufnahme von Lenggries im Isarwinkel mit Brauneck (undatiert).

Altes Logo von Ludwig Raßhofer

Getreidelieferung im Winter mit natürlicher Pferdestärke.

Geschäft zur Weihnachtszeit - in der Tür steht: »Schenkt Lebensmittel zu Weihnachten«. Das linke Schaufenster ist ganz den damals innovativen Produkten von Dr. Oetker gewidmet.

1929 wird der Ostteil (das alte Bauernhaus) abgerissen. Konditor Konrad Raßhofer (1. v. li.) baut es als Wohn- und Geschäftshaus wieder auf. So entsteht die Weinstube und Café Raßhofer mit eingegliedertem Konditoreiladen. Im Westteil ist weiterhin das Geschäft von Ludwig Raßhofer (3. v. li.).

7. Mai 1929 - Beginn der Abbrucharbeiten

7. Mai 1929 - Bauarbeiter anno dazumal

25. Mai 1929 - Maurerarbeiten

28. Mai 1929 - Die erste Balkenlage

Der Laden damals maß etwa 50 Quadratmeter. Das Innere war durch einen Ladenbudel vom Verkaufsraum getrennt. Dahinter befanden sich verschließbare Kästen mit Käse und Salami. Waren, die gekühlt werden mussten, befanden sich im riesigen, rückseitigen Kühlschrank. An der Ecke stand eine zentnerschwere, eiserne Nationalkasse. Es gab drehbare Bonbonständer mit Köstlichkeiten wie Nüssli, Pfefferminzkugeln, Zitronen- und Orangenschnitten, Himbeeren ...

Unter dem Ladenpudel auf der Verkäuferseite befanden sich lose auszuwiegende Waren wie Himbeersirup, Öl, Essig, Margarine oder Vierfruchtmarmelade. Die Salzheringe stanken so furchtbar, dass sie im Waschhaus aufbewahrt werden mussten. Die vier verschiedenen Sorten Kaffee wurden frisch aus einem verchromten Kaffeeständer in Tüten abgefüllt. Große Schubfächer waren jeweils mit einem Zentner Mehl und Zucker befüllt. Dann gab es kleinere für Brockensoda, Würfelzucker, Sultaninen, Grieß und alles, was man für die Weihnachtsbäckerei benötigte: Haselnüsse, Mandeln, Kokosflocken, Korinthen und derlei Waren. Grundsätzlich wurde alles offen verkauft und in Tüten abgewogen.

Oberhalb der Schubfächer wurden auch abgepackte Waren aufbewahrt. In der Zigarettenschublade befanden sich die damals gängigen Marken: Supra, Zuband, Astor, Mori oder Golddollar - in Packungen mit nur 5 Stück. Dann gab es da noch einen Senfspender für süßen Senf, der natürlich selbst hergestellt wurde, und einen halbrunden Weinständer im Verkaufsraum. Die Weinflaschen wurden damals noch in Leih-Holzkisten geliefert. Das Highlight bildete die Mohnmahlmaschine, die von den Kunden selbst bedient wurde, natürlich per Hand.

Im "Essigkeller" befanden sich neben dem Gestell für das große Essigfass allerlei Regale. Ein Großteil der Gemüse- und Sauerkrautkonserven sowie Kaffee-Ersatz wurden hier verstaut. Tiefkühlkost gab es damals noch nicht, auch Importwaren waren eher die Ausnahme. Daher mussten im Herbst Unmengen von Bohnen-, Erbsen-, Mischgemüse- und Gurkenkonserven eingelagert werden, die einen Hauptbestandteil der damaligen Ernährung ausmachten. Im Frühling waren diese dann oftmals schon vergriffen oder nur noch zu erhöhten Preisen erhältlich.

Gegenüber dem Geschäft steht noch heute das Lagerhaus. Damals lagerten dort die meiste Zeit des Jahres Getreide, Futtermittel, Mehl und diverse Salze. Im Herbst allerdings kam das Kraut. Lu Raßhofer erinnert sich:

»Von Ende September bis Ende Oktober wurde das Lagerhaus als "Sauerkrautfabrik" umdisponiert. Dann kamen aus Ismaning die Lastwägen mit hoch aufgerichteten Krautköpfen, die wir dann im ausgeräumten nördlichen Teil des Lagerhauses aufschichteten. Diese Wochen waren "Großkampftage"; sämtliche Aushilfen mussten mithelfen beim Krautschneiden. Wir hatten zehn große Fässer, die ca. 12 Zentner fassten, im Keller stehen sowie eine Anzahl kleiner Zentnerfässer. Sie alle mussten vor der Krautsaison eingewässert werden, damit sie dicht wurden. Die wochenlang eingeweichten Fässer am Karl-Pfund-Weg gehörten alle Jahre zum Ortsbild.
Viel Kraut wurde auch frisch geschnitten verkauft. Da kamen die Bauern mit den Ochsen- oder Pferdefuhrwerken. Das frisch geschnittene Kraut wurde in eine "Ziach" gepackt und wie ein Heubündel zugebunden. Einen Traktor hatte damals fast keiner. In großen Zubern wurde das Kraut in den Keller gefahren und mit einem Stampfer eingestampft. Nach einigen Wochen war die Gärung beendet und ich muss sagen, ein besseres Sauerkraut hat es nie wieder gegeben. Ganz Lenggries machte zu dieser Zeit eine "Krautkur".«

1933 wird das Geschäft umgebaut, vor allem die Beschaffung der Stahlträger im sich aufrüstenden Deutschland war schwierig.

Das Dach des Lagerhauses muss unter der Schneelast abgeschaufelt werden, im Hintergrund das Brauneck (undatiert).

März 1945, kurz vor Kriegsende, die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten liegt in den letzten Atemzügen. Vor dem Geschäft bildet sich eine lange Schlange. Der Volkssturm versucht den Einlass zu regeln, Lebensmittel sind hart rationiert. Schwangere durften den Hintereingang benutzen. Findige Lengrieserinnen steckten sich Kissen unter den Mantel, um dort auch eingelassen zu werden.

Am Lenggrieser Bahnhof errichtet Ludwig Raßhofer 1953 ein Lagerhaus mit Gleisanschluss. Davor erfolgte das Entleeren der Waggons auf dem Abladegleis. Kartoffeln beispielsweise wurden lose angeliefert und anschließend mit Kartoffelgabeln und einer Kippwaage in Zentnersäcke umgeleert: Knochenarbeit unter Zeitdruck. Die Waggons mussten bis zum Abend leer sein, sonst zahlte man Standgeld.

Das neue Lagerhaus wurde auf dem Grund der Deutschen Bundesbahn gebaut. Ein Gros der Waren (Mehl, Getreide, Futtermittel, Kunstdünger wie Kali und Thomasmehl oder Runkelrüben für die Hirschfütterung im Herbst) wurden mit der Bahn in Säcken angeliefert.

Die Zukunft aber lag im Lebensmittelhandel. So war die Firma ein Gründungsmitglied der Deutschen SPAR im Jahr 1955. 15 Jahre später schließlich erfolgt der große Umbau zum reinen SPAR-Lebensmittelhandel.

1970, großer Umbau und Eröffnung des SPAR-Marktes.

80-jähriges Jubiläum

Plakat zur Eröffnung der Vinothek im Lagerhaus, zur damaligen Zeit in Lenggries eine Sensation.

Offener Weinverkauf im Keller

Neuer Treffpunkt für Weinfreunde:

Die "Vinothek" in Lenggries

Lenggries ist um eine Attraktion reicher! Am 1. Juli eröffnet der SPAR-Markt Ludwig Raßhofer, Karl-Pfund-Weg 8, Lenggries, im Keller des früheren Lagerhauses einen Verkaufsweinkeller, eine sogenannte „Vinothek“. Wein war schon immer das größte Hobby von Ludwig Raßhofer. Das Sortiment wurde in Laufe der Jahre immer breiter, die Umsätze auf diesem Sektor nahmen laufend zu, so daß das fünf Meter lange Weinregal im SPAR-Markt bald zu bersten drohte. Raßhofer war es überdies schon lange leid, die guten Kreszenzen stehen im zu warmen und zu hellen Ladenregal zu verkaufen. Jede Woche mußten die Flaschen umgelegt werden, damit die Korken nicht austrockneten. Die geräumigen Keller garantieren nun sommers wie winters eine konstante Temperatur. Vom Vorraum mit den Weinfässern gelangt man durch eine herrlich bemalte Tür ins „Allerheiligste“, in den Weinkeller. Dunkel gebeizte Regale und eine Holzdecke geben dem Raum ein gemütliches Flair. In einer Ecke lockt eine Probierecke mit einem Kachelofen zum

Probieren und Diskutieren. Die schmiedeeisernen Lampen leuchten den Wein nicht direkt an und tauchen den Raum in ein ruhiges Halbdunkel. Alles in allem: optimale Voraussetzungen für die Weinlagerung. Mit rund 100 Sorten ist der deutsche Wein am stärksten vertreten. Aus fast allen deutschen Weinanbaugebieten findet man Kreszenzen aller Traubensorten, Qualitäten und Geschmacksrichtungen. Schwerpunkt Qualitätsweine in Literflaschen, viele davon trocken ausgebaut, geeignet für den Alltags-Weintrinker. Für Geschenke bieten sich Spitzen-Prädikatsweine an, darunter mehrere Eisweine, Beeren- und Trockenbeerenauslesen. Raßhofer, der das Weinkenner-Zertifikat des Deutschen Weininstitutes in Mainz erworben hat, kauft bei renommierten Weingütern und Winzergenossenschaften. Schon die Unterbezeichnungen „Cantina di vini“ bzw. „Cave de vin“ bezeichnen die weiteren Schwerpunkte des Unternehmens. Ludwig Raßhofers große Liebe gehört den Weinen der beiden größten Wein-Nachbarländern.

Oft ist er unterwegs in den Weinregionen und -kellern Italiens und Frankreichs, informiert sich aus erster Hand (er spricht beide Sprachen), führt Betriebsbesichtigungen durch und knüpft Geschäftskontakte. Dieses Sortiment lässt keine Wünsche offen, vom einfachen Landwein bis zum „Rothschild“ ist alles vertreten. Auch Liebhaber von Schweizer Weinen kommen auf ihre Kosten. Oberstes Ziel von Ludwig Raßhofer ist es, den Kunden mit preiswerten und guten Weinen zu versorgen, sowie die persönliche Beratung des Weinkenners. Die „Vinothek“ hat die gleichen Geschäftszeiten wie der SPAR-Markt gegenüber. Sollte einmal geschlossen sein, hilft eine Funk-Gegensprechanlage für sofortige Abhilfe. Dem einfallsreichen Unternehmer jedenfalls ist viel Erfolg zu wünschen sowie: Prost — A Votre Santé — Alla Salute!

Tölzer Kurier vom Samstag/Sonntag 17/18. Juli 1982

Primeurprobe in Bordeaux

Ausverkauf des SPAR-Marktes vor dem Umbau.

1993 schließlich wird das Ladengeschäft gänzlich zum Wein- und Feinkosthandel umgebaut. Im SPAR-Markt findet ein Ausverkauf statt und der Markt wird zur Vinothek umgebaut. Das so entstehende Geschäft bekommt den treffenden Namen Wein & Lukull.

Wer ist dieser Lukull? Gestatten, Lucius Licinius Lucullus, römischer Senator und Feldherr. Bekanntheit erlangte er durch seine genauso exzellenten wie üppigen Festmähler. Dabei wurde aber keineswegs geistlos geprasst, Lucullus war ein gebildeter Mann, der den Freuden der Tafel die höchste Ehre erwies.

Ludwig Raßhofer (li.) und Stefan Berger (re.) zu Besuch bei Valérie Vialard auf Château Latour-Martillac.

Ein neuer Herr über die Schlürfrechte

Lu Raßhofer verabschiedet sich mit einem Straßenfest von seiner Vinothek

Lenggries - Ein feiner Abgang, der bleibt hängen. Und was für Weine gilt, das dürfen auch Weinhändler für sich beanspruchen. Lu Raßhofer wird mit einem Straßenfest im Karl-Pfund-Weg am Samstag, 12. Juli, seine Vinothek und Feinkostgeschäft "Wein & Lukull" an Nachfolger Stefan Berger übergeben (Ausweichtermin 13. Juli, ab 11 Uhr). Neben guten Tropfen und italienischen Spezialitäten wird ab 15 Uhr Lu Raßhofer selber mit der "Second Spring-Jazzband" aufspielen; dazu tritt Jazz-Sängerin Sabine Meiß auf. Landhandel, Sauerkrautfabrik, Kramerladen, schließlich die Vinothek. Nach über  

40 Jahren aktiver Kaufmanns-Tätigkeit hat Raßhofer nun mehr Zeit für seine Hobbys. Der 60-Jährige spielt Saxofon, will Jazz-Workshops besuchen, Bergsteigen und im Winter Skitouren gehen. Auf seinen guten Riecher und Erfahrung müssen die Kunden allerdings nicht ganz verzichten: An Wochenenden und zur Urlaubszeit will Raßhofer weiter mitarbeiten. Ansonsten ist das Feld aber dem 38-jährigen Lenggrieser Stefan Berger überlassen. "Wer hat schon die Chance, sein Hobby zum Beruf zu machen?", freut sich der neue Herr über 500 verschiedene edle Tropfen. Seit einigen Jahren schon war er an der

Auswahl der Weine beteiligt, besuchte wichtige Messen und gab Weinkurse an der VHS Lenggries. "Die Vinothek hat ihre Kapazitäts-Grenzen erreicht", sagt Berger. Im Sortiment werde es also hauptsächlich Umschichtungen geben. "Die besten Schlürfrechte wollen wir uns weiter sichern", verspricht der 38-Jährige. Seine Schwester Anna Steigenberger wird das Feinkostsortiment betreuen.

Tölzer Kurier im Juli 2003 (jac)

Ein oft und gerne gesehener Gast in Lenggries: Contessa Olimpia Rizzardi vom Weingut Guerrieri Rizzardi.

Ein Traum aus Prosciutto di Parma: Zu Besuch bei Gallina in Lagrimone.

Wiedersehen nach über 20 Jahren: Valérie Vialard von Château Latour-Martillac.

Bordeaux En Primeur 2019: Hier bei Château La Mission Haut-Brion in Pessac-Léognan.

Die nächste Generation unterwegs in portugiesischen Weinkellern ....

und fränkischen Weinbergen. Weinlese beim renommierten Weingut Juliusspital.

Prost — A Votre Santé — Alla Salute!